Der schwierige Begriff Heimat

 

Gastgeber und Verlagsvorstand Helmut Graf stellte in seiner Einführung die Frage „Was ist eigentlich „Heimat“ und zitierte die verschiedensten Definitionen, von den Gebrüdern Grimm „Dem Christen ist der Himmel die Heimat, im Gegensatz zur Erde, auf der er als Gast oder Fremdling weilt“ über Karl Jaspers „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“ bis zu Renate Künast „In meiner Jugend war Heimat ein Schreckenswert – ein verbaler Knüppel, mit dem man Leuten wie mir drohte“. Der Versuch einer einfachen Definition des Begriffs Heimat sei per se zum Scheitern verurteilt, meinte er und „Heimat ist höchstaktuell“.

 

Reichlich Stoff, um anlässlich des 8. Petersberger Forums das Thema von namhaften Persönlichkeiten betrachten zu lassen. Gleichzeitig wagte der Verlag ein Experiment und lud junge Menschen – Poetinnen und Poeten – ein, um die Stimmen der Jugend zu dem Thema zu hören.

 

Moderator Prof. Haller spannte einen Bogen von den bisherigen Foren bis heute und stimmte die knapp 500 Gäste mit der Aufforderung ein, untereinander Gedanken zur Begrifflichkeit und dem Gefühl Heimat auszutauschen.

Wir brauchen einen gesunden Optimismus

 

Als erster Redner sprach Dr. Florian Langenscheidt, der sich nach vielen Jahren in geschäftsführenden Positionen der Langenscheidt-Verlagsgruppe heute neben seinem Wirken als Unternehmer und Buchautor in Deutschland und auch weltweit sozial und ökologisch engagiert. Der Vortragstitel „Das Beste an Deutschland. Gründe, unser Land heute zu lieben“ war ihm wie auf den Leib geschnitten. Mit einem Plädoyer für einen entspannten Umgang mit unserem Land lenkte er den Blick auf die Verantwortung eines jeden Deutschen. „Wir tragen die Verantwortung für Deutschland. Wir sind Deutschland“. Es gäbe so viel, was wir lieben könnten, eine starke gewachsene Demokratie zum Beispiel und eine innere Sicherheit, die es so nur in 10 bis 15 Prozent aller Länder gebe. Zur aktuellen Situation und zur Krise mahnte er, trotz fehlendem wirtschaftlichen Wachstum und der erschreckenden Zahl der Arbeitslosen nicht einseitig zu fokussieren: „Wir brauchen einen gesunden Optimismus“.

Langfristiges Denken und Entscheiden notwendig

 

Der frühere Bundesumweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer kam direkt aus Berlin von einer Sitzung des Rates für Nachhaltigkeit, dessen Vizepräsident er ist. Sein Thema: Die Renaissance des Regionalen im globalen Tumult“. Als glücklicher Großvater“ mit allen Emotionen, die damit verbunden seien, sei sein Blick noch mehr geschärft für nachhaltiges Handeln derer, die heute Verantwortung tragen. Er beklagte das jetzige kurzfristige Verhalten, das auf Dauer nicht in eine friedliche Welt führen könne. Der ehemalige Exekutiv-Direktor des UN-Umweltprogramms und Generaldirektor des UN-Büros in Nairobi sieht aktuelle Tumulte in der Wirtschaftskrise, der Klimakrise und in der Globalisierung: „Die Wirtschaftskrise ist eine Folge des Diktats der Kurzfristigkeit und führt zu neuem Schuldenrekord und somit zur Verlagung der mittel- und langfristigen Kosten an die nächsten Generationen“. Langfristiges Denken und Entscheiden sei notwendig. Globalisierung sei nur erfolgreich bei Bewahrung regionaler Identität. „Jeder braucht die emotionale Qualität der Heimat. Sie ist leistungsfähig genug, Identität zu schaffen“.

Beitrag der Jugend – Heimat als Thema eines Poetry-Slams

 

Das Experiment war gelungen. Für sieben junge Dichterinnen und Dichter war es ebenso eine Premiere wie für den Verlag. Sie, die auf Poetry-Slam-Bühnen in Deutschland zu Hause sind, traten zum ersten Mal im Rahmen einer Vortragsveranstaltung auf – neben namhaften und vortrags-erfahrenen Rednerpersönlichkeiten. Ihre Ansichten, Denkweisen, Betrachtungen zum Thema HEIMAT zu hören und sie zu Wort kommen zu lassen, war die Motivation des Verlages. Unter der Moderation von Lars Ruppel, selbst erfahrener und preisgekrönter Poetry-Slammer, ließen sie individuell und einfühlsam, rhetorisch gekonnt in knapp bemessener Zeit von jeweils 2 Minuten die Gäste mit ihrer Dichtkunst wissen, was für sie Heimat bedeutet: Bleu Broode und Johannes Lautenbacher im Team, Jan Coenen, Stephan Gräfe, Nadja Schlüter, Tommy Tesfu und Almuth Nitsch von Kerry. Das Publikum war gleichzeitig Jury – wie bei Poetry Slams üblich – und hatte die Qual der Wahl. Tommy Tesfu aus Berlin machte das Rennen. Aber „Gewinner“ und somit ein „Gewinn“ für Verlag und Gäste, so konnte man dem Schlusswort von Helmut Graf und auch dem Feedback einiger Teilnehmer entnehmen, waren sie alle.

 

Man darf gespannt sein, welches Thema der Verlag im Jahr 2010 in den Mittelpunkt des 9. Petersberger Forums stellen wird.

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