Das Beständigste ist der Wandel

Gastgeber und Verlagsvorstand Helmut Graf ging in seiner Rede auf die verschiedenen Sichtweisen auf das Jahr 2012 ein: Laut chinesischem Kalender ist das Jahr 2012 das Jahr des Wasserdrachens. Unter dem Zeichen des Drachens würden in der Regel mehr Baby als sonst geboren, weil chinesische Eltern überzeugt seien, dass Drachenkinder stärker seien als andere. Nach den selbsternannten ‚Maya-Propheten‘ ist das Jahr 2012 ein Schicksalsjahr, da am 21.12.2012 der Weltuntergang drohe. Er hoffe, dass Prof. Grube hier Aufklärung und Entwarnung mit seinem Vortrag liefern werde. Bezogen auf den zweiten Impulsgeber beim 11. Petersberger Forum, Prof. Di Fabio, äußerte Graf die Hoffnung, dass dieser dem Publikum Informationen und Aufklärung biete, wie trotz Eurokrise die Nationalstaaten weiter bestehen können. Drei Krisen mit einer Klappe schlagen – die Energiekrise, die Klimakrise und die Finanzkrise – das Thema der Energieexpertin Prof. Kemfert führte Graf zu einer Definition des Wortes Krise: Danach ist eine Krise ein Wendepunkt einer Situation zum Guten oder Schlechten. Schlecht und Gut seien also gleichauf. Es scheine also für 2012 besonders stark zu gelten, dass das Beständigste in dieser Welt der Wandel sei.

Maya-Kalender: Der Weltuntergang findet nicht statt

Der Ethnologe, Altamerikanist und Maya-Experte Nikolai Grube stellte gleich zu Anfang klar: „Der von Esoterikern und in Internet-Foren heiß diskutierte Weltuntergang am 21. Dezember 2012, wie ihn die Maya angeblich vorhergesagt haben, findet nicht statt. Nach dem Maya-Kalender endet im Dezember ‚nur‘ der dreizehnte 400-Jahres-Zyklus, in etwa vergleichbar mit unserer Jahrtausendwende. Danach beginnt ein neuer Zyklus.“ Die Maya würden hier zu einem Spiegel heutiger Wünsche und Sehnsüchte gemacht und unzulässiger Weise vereinnahmt. Grube berichtete von den Leistungen der Maya: dass sie völlig unabhängig  von Einflüssen die Zahl Null entwickelt haben und enorme Kenntnisse in Astronomie und Naturwissenschaften hatten. Die Entzifferung der Hieroglyphen der Maya habe 150 Jahre gedauert, bis heute seien ca. 250 der 800 Zeichen nach wie vor nicht lesbar. Der starke Wunsch nach mehr Wissen über diese Kultur würde ihn bis heute enorm reizen. Die bis heute bekannten 30 verschiedenen Maya-Sprachen könne man bei ihm jeden Dienstag an der Universität in Bonn erlernen.

Di Fabio: Europa nur mit Nationalstaaten

Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht und Professor für Öffentliches Recht, Udo Di Fabio, bekannte sich zu den Nationalstaaten Europas. Diese seien entgegen der weitläufigen Meinung kein Auslaufmodell: „Der freiheitliche Zusammenschluss der Staaten Europas wird nie über zentralstaatliche Herrschaft gelingen, sondern nur über fortbestehende kooperationsfähige Nationalstaaten, die sich in einen supranationalen Ordnungsrahmen einfügen und ihre Pflichten erkennen.“ Dazu seien Staaten nötig, die ordentlich Buch führen, die Steuern gleichmäßig einziehen und die Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht halten. Es müsse erst die aktuelle Schuldenkrise gelöst werden, danach könne die Idee eines europäischen Bundesstaates weiterentwickelt werden. Dieser dürfe keine Transfer-Union sein: „Neben der Solidarität ist das Prinzip der Eigenverantwortung noch wichtiger“, so Di Fabio. 

Kemfert: Krise als Chance begreifen

Die Energieexpertin Claudia Kemfert stellte sich der Frage, ob die geplante Energiewende in den nächsten Jahren zu schaffen sei. Energiewende heiße, dass bis zum Jahr 2050 die Stromversorgung zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gewährleistet sei. „Das ist zu schaffen. Klimaschutz ist der Weg aus der Krise, denn wir können drei Krisen mit einer Klappe schlagen: die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und die Klimakrise“, so die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin. Dafür müsse ein Fünf-Punkte-Plan klug umgesetzt werden. Kemfert: „ Dazu gehört der Ausbau der Stromnetze in Deutschland und Europa, der Neubau von Pumpspeicherwerken, die Verbesserung der Energieeffizienz zum Energie sparen, die gesellschaftliche Akzeptanz durch mehr Aufklärung und Mitnahme der Bürgerinnen und Bürger bei neuen Energieprojekten und die Schaffung eines Energieministeriums.“ Die Veränderungen müssten noch stärker vorangetrieben werden, um das Ende des Rohstoffs Öl in 30 Jahren auffangen zu können.

Moderation: Stephan Klapproth

Durch den Tag führte die 450 geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Schweizer Journalist und TV-Moderator Stephan Klapproth. Er gehört zu den anerkanntesten und beliebtesten Nachrichtenmoderatoren der Schweiz und es gelang ihm auf exzellente Weise, Publikum und Referenten mit auf die Reise durch das Jahr 2012 zu nehmen, nachzuhaken, wo es was nachzuhaken gab, und das Publikum aktiv mit einzubinden.

» mehr
» Redner
» Video